Vielfalt leider meist nur durch Betroffenheit

Der Einzelne ist immer auch ein wenig Egoist und bequem. Solange ihn nichts stört, so macht er nichts. Er ist nicht bereit, sich zu engagieren und noch weniger, sich zu exponieren. Betrifft ihn etwas, so kann er sehr aktiv und engagiert werden. So können sich politisch gegensätzliche Personen sachlich plötzlich in den Armen liegen und miteinander kämpfen.
Ist der "Kampf" entschieden, so geht jeder wieder seines Weges.
Die Konstanz in den Quartieren besteht in den Quartiervereinen, die auch keine "Personalprüfung" für Mitglieder haben. Hier kann jede Person ungesehen ihrer Herkunft, Geschlecht oder Religion Mitglied werden und sich auch in den Vorstand wählen lassen.
Und trotzdem sind Quartiervereine eine Art Torso. Von der Stadt werden sie "nur als Verein" wahrgenommen. Zu sagen haben sie wenig. Überhaupt haben die Quartiere wenig zu sagen. Im Vergleich zu einer Gemeinde mit 3'000 Einwohnern und vollen Kompetenzen hat ein Quartier mit 30'000 Einwohnern keine einzelnen Entscheidungsbefugnisse, wird meist nicht einmal vor einem Entscheid konsultiert. Passivität ist halt häufig auch ein Verhalten nach dem Motto: "es nützt ja doch nüüt!"
Sollte sich ein Quartierverein repräsentativ für ein Quartier äussern können, müssten sie die Möglichkeit besitzen, konsultative Abstimmungen durchzuführen und ihre Meinung breit abstützen zu können oder wenigstens "Gemeindeversammlungen" durchführen können. Aber nur schon Neuzuzügeranlässe sind ein Kraftakt mit der Verwaltung.
Wer teilhaben soll, benötigt Informationen und die Stadt ist nicht primär auf die Quartiere ausgerichtet. Die Information der Bewohner wird immer spärlicher und in naher Zukunft dürft das "Amtsblatt" dem Weg des Kantons folgen und die Informationen nur noch über das Internet anbieten. Das bedeutet wieder "Ausschluss" einer grossen Zahl Bewohner. Und die Folge? Immer mehr Reaktionen statt Aktionen.